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Die Schöne und das Biest

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Osterferien 2017. Kinotag mit den beiden Töchtern. Dass es nicht immer einfach ist mit der besonderen Tochter vor die Tür ist zu gehen, ist nun mal so. Aber heute hatte ich einfach ein sehr gutes Gefühl. Ich erzählte den Mädels bereits beim Frühstück, dass wir heute ins Kino gehen und es kam doppeltes Gejubel als Antwort. Die besondere Tochter konnte zwar nichts mit dem Filmtitel „Die Schöne und das Biest“ anfangen, aber ich erzählte ihr, dass viel Musik und Gesang mit dabei wären. Ein großes Grinsen zog über ihr süsses Gesicht und meine Freude auf den Nachmittag wuchs weiter.

Als Frau bin ich da voll im Klischee: Romanzen sind mein Ding. Gefühle, Herz, Bauch, Kopf, Chaos, Tränen, Glitzer, Wolke 7 und Abgrund. Aber bitte trotzdem mit Happy End. Und wenn sie nicht gestorben sind… lieben sie sich noch heute. Bis in alle Ewigkeit. Jaja… ich stoppe ja schon 😉 *bitte übergeben Sie sich JETZT

Ehrlicherweise möchte ich hier zugeben, dass ich trotz Vorfreude etwas Angst hatte, diesen Film zu schauen. Angst vor Enttäuschung. Aber die Verfilmung ist meines Erachtens wunderbarst gelungen. Es waren atemberaubende Kulissen! Zwischendurch und natürlich am Ende kullerten Herztränchen über meine Wangen. Im Kinosaal sangen die Kinder wirklich die bekannten Lieder mit. Ich war mit einem mal auch Kind, summte lächelnd die Melodien. (Hier fällt mir ein, dass ich mir unbedingt noch den Soundtrack besorgen muss.)

Was mir aber nach dem Film noch stundenlang im Kopf umherschwirrte, möchte ich hier verarbeiten: bin ich Biest und/oder bin ich die Schöne?!

Ich lasse Revue passieren, sehe mich im Schloss-Saal wie Belle glücklich tanzen, aber auch als Biest Tränen vergießen. Natürlich gab es Zeiten in meinem Leben, in denen ich BIESTig, hart und ungerecht war. Wenn ich jedoch weiter als Belle tanze, sehe ich aber auch wie ich selbstlos, mutig und hoffnungsvoll blind vertrauend war. Das ist das Leben. Das schafft das Leben. Veränderungen.

Zurück zur eigentlichen Romanze. Modern. Im neuen Zeitalter. Nämlich meiner Romanze. Die Nummer Eins in meinem Leben ist bereits besetzt und gehört ganz allein zwei kleinen Personen. Für diese Personen lasse ich alles stehen und liegen. Als alleinerziehende Mutter, zudem mit einem Kind mit Schwerbehinderung, fühlt man sich immer wieder mal „doppelt randgruppenzugehörig“. Und umso öfter kommen Zeiten, in denen man alles schwarz sieht und manchmal Kraft zum wieder Aufstehen fehlt. Man hadert mit sich selbst. Jeder, wirklich JEDER Mensch, wird dann in meinen Augen Misstrauen sehen, meine Angst spüren, meine Panik erleben, versteckt in Ablehnung oder Abweisung. Bleibt bitte trotzdem da. Verschwindet nicht, verlasst mich nicht, gebt mich nicht auf. Seid der Mensch, der da ist, wenn ich um die Ecke komme und der mich mit offenen Armen und einem strahlenden Lächeln empfängt. Ich bin alles andere als perfekt. Und wünsche mir letztlich einfach nur Respekt.

Zurück ins Kino: Belle und das Biest schauten immer wieder auf die Rosenblätter, die nach und nach fielen.

Hinaus in die Welt: Uns drei wiederum findet man auch in der Botanik. Wir sind die Gänseblümchen. Mitten im Rosengarten. Und die Menschen, die sich nicht sofort von uns abwenden, sondern einfach still lächeln oder uns sogar die Hand reichen, die lassen wir vielleicht sogar Schmetterlinge hören und Wolken schmecken.

 

 

Ma(n)chmal!

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Und manchmal hast Du diese eine Zeit, in der Dir alles egal ist. Manchmal hat man diesen Moment, er kommt einfach ungeladen. Manche haben ihn öfters zu Gast, andere weniger oft. Dieser Moment, wo Du denkst, es geht nicht weiter. Man ist überladen: ERROR auf der Stirn in fetten Buchstaben. Du drehst Dich im Kreis. Es wird alles zuviel. Das Gewicht auf Deinen Schultern drückt Dich weiter runter, ein Knie berührt bereits den Boden.

Die Kinder, der Haushalt, Termine, Arbeit und bis dahin musst Du das und das fertig machen. Und überhaupt: DAS wolltest Du schon vor 04 Tagen erledigt haben. Achja, und vergiss Deine Familie und Freunde nicht. Und noch viel wichtiger: vergiss Dich selber nicht! Aber hey, keinen Stress, bitte.
Und nebenbei schweifen Deine Gedanken um Dieses, Jenes und Sonstiges und lenken Dich ab.

Psychohygiene. „Ich bin gestresst.“ gestehe ich mir ein. Aussage.
„Weißt Du, was mein Geheimnis, top secret, ist?!“ lautet meine Gegenfrage?
„Der Trick liegt darin, dass ich den Stress nicht an mich ran lasse. Ich weiss, er ist da, aber ich beherrsche den Stress. Er darf nicht Dich beherrschen.“
(An dieser Stelle ein tosender Applaus aller Gesundheitspsychologen. Der Chef von denen übergibt mir stolz die Ehrennadel.)

Und im selben Augenblick, indem dieser ungeladene Gast an die Tür pocht und in Deine Gedanken eindringt, packst Du ihn am Schlafittchen und schmeisst ihn in coolster Lara-Croft-Manier zur Tür wieder hinaus.

Du fängst an zu grinsen, weißt nicht einmal genau warum.
Aber Du weißt, Du kannst das alles schaffen.

Mit einem leichten Ruck, verlagerst Du das Gewicht auf Deinen Schultern. Damit es angenehmer liegt.

Das Knie löst den Bodenkontakt. Du stehst wieder aufrecht.

Und nach dem ersten Schritt, nimmst Du Deinen Weg wieder auf. Nach dieser kleinen Pause. (Nicht umsonst ist am Controller die START-Taste gleichzeitig die PAUSE-Taste)

Denn selbst der stärkste Mensch braucht manchmal eine kleine Pause.

(Eine mehr oder weniger ernstgemeinte Karikatur meiner Selbst)

Kirmes im Kopf

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Kirmes im Kopf

So wahr!

So nah. (bis auf das hier bei mir eines der beiden Kids 80 % Schwerbehinderung und Pflegestufe II hat.)

Kirmes im Kopf… und trotzdem durchhalten. Müssen. Irgendwie.

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Ich bin krank.

Ich habe nicht den Fuß verknickt oder Fieber, sondern in meinem Kopf sind Geräusche. Es fiept und piept und tutet, manchmal brummt und rauscht es. Kirmes im Kopf. Die Geräusche lassen mich nicht schlafen, ich bin unkonzentriert, vergesslich und gereizt. Das geht schon seit Wochen so, aber ich hatte ein, zwei oder auch drei fette Projekte auf der Arbeit, die ich unbedingt noch abwickeln wollte.

Ich arbeite nämlich gerne, ich liebe meinen Job. Ich habe ständig neue Ideen und habe einen Job, in dem ich meine Ideen umsetzen kann und darf. Drum habe ich neben der Dringlichkeit, die Projekte durchzuziehen, natürlich auch lange genug die Kirmes in meinem Kopf ignoriert, weil ich dachte, dass das schon wieder weggeht, wenn ich nur mal ordentlich ausschlafe.

Nun haben meine Belastung und meine Erschöpfung leider einen Grad erreicht, wo es mit ein oder zweimal Ausschlafen nicht mehr getan ist. Das…

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Schneckenhausmenschen

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Und ganz oft will man einfach gehen, flüchten. Weil man nicht verstanden wird. Weil man nicht geschätzt wird. Weil man provoziert, verletzt, bemitleidet, erdrückt, gemocht, gehasst, verdreht, verdrängt, betrübt, belogen, bedroht, gefeiert, verstanden, durchblickt, unsichtbar oder missachtet wird. Weil man geliebt wird. Weil man verliebt wird.

Aus so vielen unterschiedlichen Gründen, oder machmal nur aus einem, will man dann gehen. Einfach weg. Der tatsächliche Grund ist aber doch anders. Ist der wirkliche Grund nicht Überforderung?! Weil man nicht mehr weiter weiss. Und weil wir vielleicht sonst etwas sagen würden, was uns nachher leid tut. Später. Und weil wir niemanden verletzen wollen. Weil es viel erwachsener ist zu gehen. Weil der Klügere nachgibt. Weil wir gute Menschen sind. Weil wir uns im Griff haben.

Alles bullshit! Echt ey. Wir gehen, weil wir nicht mehr weiter wissen. Weil wir aus lauter Überforderung und Angst nicht wissen, OB WIR NOCH OKAY SIND. Wir gehen um zu sehen, ob unser Herz das aushält. Um uns zu schützen, um uns ins Schneckenhaus zurückzuziehen und zu hoffen, dass uns niemand kaputt tritt. Und um uns um jeden Preis zu schützen aus lauter Angst nicht zu überstehen was da auf uns zukommt. Die Erfahrung hat uns anscheinend gelehrt, dass man uns weh tun kann, wenn wir bleiben. Dass wir uns selbst weh tun, vielleicht viel mehr als zuvor, wenn wir gehen und uns „einschneckeln“ und den Rest der Welt ausschließen, davor verschließen wir die Augen, denn das haben wir ja unter Kontrolle. Es ist unsere Entscheidung wann uns etwas weh tut. Und wenn wir das selbst sein wollen, viel mehr als alle anderen, dann ist das autonom von uns befürwortet und die Diskussion für beendet erklärt. Punkt. Wir gehen.

Zu lernen zu bleiben ist schrecklich schwer. Man muss sich eingestehen, dass man zu oft geht, wo man lieber bleiben sollte. Man muss sich einreden, dass schon nichts passieren wird wenn man bleibt. Man muss die GRÖSSE haben zuzugeben, dass man überfordert ist. Man muss dem anderen offen legen, wie man sich fühlt. Man muss darauf vertrauen, dass der andere Verständnis zeigt. Man muss, man MUSS, MAN MUSS. Das führt dazu, dass man manchmal, wenn man noch nicht so geübt ist im Bleiben und Aushalten und Vertrauen, einfach da steht und nichts mehr tut:

Weil man gehen will. Aber nicht gehen will.

Und weil man nicht weiß, was man in der Situation sagt. Und weil man nicht groß genug ist um das innere Chaos offen zu legen. Und weil der andere zu streitend ist um es gut sein zu lassen. Und weil man zu rechthaberisch ist um klein bei zu geben. Und weil man jetzt schon Minuten lang da steht und nichts mehr gesagt hat und mit unentspanner Körperhaltung nur einen Fleck gleich über dem anderen anstarrt. Was sagt man da noch? Da braucht man ein wenig Unterstützung um bleiben zu können, weil man sich festgedacht hat.

Also liebe Schnecken, Schildkröten, Igel, schlaue Füchse, gute Giraffen, Streiter und Freunde und Kurzweiler und Schnelldenker und Vielredner und Überbügler und Dickköpfe und alle anderen. Auch wir selbst. Wenn ihr einen Schneckenhausmenschen kennt, diskutiert (nicht streiten) und vertragt euch. Und wenn er sich festgedacht hat und ihr wollt ihn aber behalten, dann helft ihm kurz aus dem tiefen Keller, gebt ihm kurz den Raum um zu Gedanken und Mut und Größe zu kommen und dann wird er bleiben und reden können. Mit ein bisschen Übung und ein bisschen Hilfe. Draußen ist doch auch viel schöner als im tiefen dunklen Keller.

Liebe Schneckenhausmenschen, es ist verdammmt gut, dass ihr so seid, auch dass ich so bin. Denn es schützt. Aber manchmal sind Größe und Mut und Gelassenheit und vor allem Bleiben angebracht. Denn manche Menschen wollen uns nichts Böses und alles wird viel viel schwerer, wenn wir gehen.

 

 

Talente

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Talente

Während ich diese Zeilen tippe, schläft die besondere Tochter. Es war ein aufregender Tag. Sie ist wirklich fix und fertig. Gestern und heute war bei ihr an der Förderschule die „Show der Talente“. Der Ein oder Andere von euch wird jetzt gähnen. Von mir aus. Ich wiederum bin immer noch voller Begeisterung. Es waren Taschentuchmomente dabei. Und ich muss das irgendwie verarbeiten und somit dieser Blogpost.

EINE FÖRDERSCHULE (Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) LÄDT ZUR „SHOW DER TALENTE“! Eigentlich reicht das schon, mehr müsste ich gar nicht schreiben um euch die 2 Stunden irgendwie näherzubringen. Denn die Einen verdrehen nun die Augen. Und die Anderen wissen es war einfach so gut, so verdammt gut, dass ich gar nicht anders kann, als es mit euch zu teilen!

So gesehen bin ich die ersten 28 Jahren in meinem Leben mit Menschen mit Behinderungen NIE in Kontakt getreten. Bis sie vor mir lag im Inkubator, drei Monate vor Entbindungstermin: meine Tochter. Meine Liebe für sie war/ist von der ersten Sekunde an felsenfest und beständig. Egal ob ganz am Anfang mit Kabeln, Monitoren & Tubus oder jetzt mit zuckenden Bewegungen, lautierend wiederholenden sinnfreien Sätzen – glückliche Augen und Anderssein haben seit zwölf Jahren stetig einen Extra-Express-Eingang in mein Herz. Ganz egal wer!

Nachdem die Tochter vor nunmehr fünf Jahren an dieser Förderschule aufgenommen wurde, stand spätestens nach der Willkommensfeier (Kirche) fest, dass ich Jegliches mir Mögliches tun werde, um diese Lehrer, Praktikanten, Hilfskräfte und vor allem die Kids zu unterstützen. Das Lehrpersonal schon allein aus dem Grund, weil sie FREIWILLIG diesen Weg gewählt haben. Mir wurde ein besonderes Kind „zugeteilt“. Ich hatte gar keine Wahl.

Aber… zurück zur Talentshow. Meine Vorfreude machte mich tatsächlich ein bisschen nervös. Vielleicht auch ein bisschen sehr. Aber sie wurde nicht enttäuscht – im Gegenteil:

Die Theater-AG eröffnete die Show mit „Watt´n Scheißtach“. Es kamen alltägliche und aktuelle, kurze, Szenen. Aneinandergereiht. Was alles so schief laufen kann wenn man morgens schon mit dem falschen Bein aufsteht. Kaffee schmeckt scheußlich. Der Mann meckert rum weil das Frühstücksspiegelei nicht schmeckt. Der Chef motzt weil die Akten nicht vollständig sind… und zu guter Letzt wird nachts der TV von Einbrechern geklaut: `nen Scheiss-Tag Deluxe. Die sechs Kids hüpfen von Szene zu Szene mit viel Motivation. Und dürfen am Ende SCHEISSE ins Mikro gröhlen. 😉

Die Bauchtanz-AG ist der 2. Akt. Und ja, meine Tochter, tanzt hier mit. Deswegen kann ich hierzu gar nicht viel schreiben. Die berühmten Schmetterlinge fliegen immer noch in mir, halten das Stolz- und Freudegefühl in mir aufrecht. Obwohl ich mit Sicherheit sagen kann, dass meine Tochter alles andere als synchron mitgetanzt hat, hat sie dennoch nicht dem Gesamtbild geschädigt. Es war geradezu putzig anzusehen, wie sie sozusagen in Zeitlupe immer gute zehn Sekunden dem Song bzw. den Bewegungen hinterherhinkte. Und ja, verdammt, es liefen Tränchen bei mir. Denn wer Maja kennt, weiss, dass sie sich eigentlich in nichts hineinpressen lässt. Sie hat ihren eigenen Willen. Und hier hat es anscheinend wirklich die Freude am Tanz und das Teamgefühl erreicht, dass sie mitmacht. Mittanzt. Der Song war übrigens: Lean on. PASST! https://www.youtube.com/watch?v=-AMc7KPOkbY

Kommen wir zum 3. Akt: Die Märchen-AG präsentiert die Traumfabrik. Hier wurde ein Video eingespielt, welches im Laufe des Schuljahres von der Märchen-AG erarbeitet wurde. Kleine Geschichten mit Playmobilfiguren, Schleichtieren, bemalten Ü-Eiern und ja: natürlich auch den Minions! 🙂
Eine wirklich wunderschöne Idee! Bildtechnisch super eingefangen, mit Stimmen und Geräuschen unterlegt. Es war eine Freude diesen kleinen Kinogenuss sehen zu dürfen.

Der 4. Akt lässt mich jetzt noch hachseufzen. Das Tanztheater präsentierte „Lebenslinien“. Zwölf Kids packten sinnbildlich ihre Kisten aus. Ihr Leben. Sowohl Körpersprache, Mimik als auch kleine Gesprächsszenen liessen uns Zuschauer die bisherigen Lebenslinien dieser Kinder entlangfahren. Babyfotos. Erste Freundschaften. Der erste Schultag. Streit. Was ihnen wichtig ist. Was sie noch vorhaben im Leben. Der Abschluss hier war nahezu perfekt als der gerade mal zwei Monate zurückliegende Besuch des Phantasialandes der letzte Punkt auf den Lebenslinien der Kids war. Sie setzten sich an den Rand der Bühne; legten sich die (unsichtbaren) Anschnallgurte der Black Mamba – Achterbahn – an und fuhren mit uns. Die Technik spielte hier die Geräusche der Achterbahn ein. Die Kids kreischten, lachten, flogen leicht nach links, nach rechts, die Arme gingen hoch, … unglaublich wie stark und tief sie sich hier fallen liessen. In ihr Leben. Wunderschön. Und GROSSartig.

Akt Nummer 5 wurde vom Deutschkurs der Familienklassen präsentiert. Der Titel war „Der Stärkste im ganzen Land“. Und ja, hier kam ich erneut in den Genuss meine Tochter auf der Bühne zu sehen. Sie spielte die 7 Zwerge. Die Grundlage zu diesem Stück ist das Buch von Mario Ramos aus dem Beltz Verlag. Wunderschön gewählt, wie ich finde. Denn gerade „besondere“ Kinder haben ja irgendwie mehr als das doppelte Ziel im Auge, wenn sie der Größte, der Stärkste oder der Wildeste sein wollen. Sie haben es schwerer. Klare Sache. Die Story wird hier heute vorgelesen. Die Kinder spielen wortlos. Denn hier wurden Kinder gewählt, die Schwierigkeiten haben sich zu artikulieren. Aber sie machten es trotzdem verdammt gut, fand ich. Sie ließen sich nicht vom Publikum ablenken. Sie fanden den Mut sich dort oben im Rampenlicht zu präsentieren! Und ganz ehrlich: die Geschichte ging mir natürlich sofort ins Mutterherz, denn sie endet damit, dass dem Wolf gesagt bzw. bewusst wird, dass eine Mutter nunmal die Allerstärkste ist. Ich nicke hier beim Schreiben. Ja. Ich bin stark. Aber ohne meine 2 Töchter wäre ich keine Mutter! Die zwei stärken mich. Immer wieder. Ich wachse an und mit ihnen.

Zwischen Akt 5 und 6 trat noch spontan ein Schüler auf. Als Sänger. Und ich bin jetzt noch baff. Er wurde von einem jungen Mann mit Gitarre begleitet. Zwei Songs (Zombie und Ich wünsche Dir noch ein geiles Leben) wurden derart „frei“ gesungen, dass es selbst dem Gitarrenspieler eine mega Freude war ihn zu begleiten. Das Publikum sang und klatschte fasziniert mit. Das wiederum tat dem jungen Sänger derart gut, dass er mit einem Mal von der Bühne ging und zwischen den Zuschauerreihen spazierte bzw. performte und unbeirrt weitersang. DSDS, The Voice und wie sie alle heissen… man könnte ihn SOFORT dorthinschicken.

Akt 6 war dann mit der Schülerband der Abschluss der Show. Bass, Schlagzeug, Gitarre, Keyboard und vier Sängerinnen. Der Song von Revolerheld „Lass uns gehen…“ war auch hier gut gewählt. Ein schöner Abschluss. Wieder sang und schunkelte das Publikum mit. Ein tosender Applaus zeigte der Schülerband, dass sie es verdammt gut gemacht haben. Überhaupt überall schwebte Stolz in der Luft. Bei den Gästen, bei den Talenten, bei den Lehrern und Hilfskräften. Wunderschönes Gefühl. Gepaart mit ganz viel MITEINANDER und AUGENHÖHE. Hier war heute niemand unter- oder überfordert. (Außer ich vielleicht. Mir fehlten Taschentücher. Aber auch hier hat ein Schüler sofort bei meinem ersten Tränenausbruch gehandelt. Erst dachte ich, ich hätte ihn mit meinem Geheule erschrocken weil er so schnell davonlief. Aber er kam binnen zwei Minuten außer Atem zurück: mit Toilettenpapier. ♥).

 

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Freundschaft. Der zuverlässigste Architekt für glückliche Erinnerungen.

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Er war ein guter Freund von mir. Dennoch konnte ich es nicht verhindern.

Ich will erst gar nicht durch beschönigende Umschreibungen auslöschen, was passiert ist. Er hat sich das Leben genommen, Suizid begangen.

Viele aus unserem gemeinsamen Umfeld sagen nun, dass es völlig unerwartet kam, niemand hätte es voraussehen können oder es verhindern können. Vielleicht nicht, aber es ist einfach nicht wahr, dass niemand damit hätte rechnen können. Es gab Vorzeichen, aber vielleicht konnten oder wollten wir sie nicht erkennen. Ich wollte sie nicht erkennen.

Er hatte jahrelang nicht sehr viel Glück im Leben. Eine zeitlang war er sogar obdachlos, erzählte er mir mal. Auch privat lief es nicht gut für ihn. Ich glaube, er war oft einsam. Wie sehr, habe ich wohl nicht geahnt.

Oft war er deprimiert, traurig und ohne Hoffnung. Keine Hoffnung, dass seine Hautkrankheit (Ekzeme) irgendwann heilbar sei. Er hat auch oft erzählt, dass er nicht weiter wüsste, dass das Leben keinen Spass mache oder keinen Sinn habe. Möglicherweise sagte er es einfach zu oft, so dass wir es nicht mehr hören konnten oder uns daran gewöhnt hatten, dass er eben einfach pessimistisch war und alles negativ betrachtete. Für uns war er wohl jemand, der immer nur die halbleere Flasche Veltins sah.

Wenn ich mit ihm mal schrieb oder telefonierte, habe ich es oft ignoriert, wenn er davon sprach, wie beschissen das Leben war oder warum es ihm schlecht ging. Entweder habe ich dann über Positives in seinem Leben geredet oder einfach das Thema gewechselt. Vielleicht dachte ich, wenn ich es ignoriere, geht es weg.

Aber wenn mal was Schönes in seinem Leben passierte, konnte er auch glücklich oder fröhlich sein. Schalke war sein ein und alles. Und das Essen, Essen, Essen. Aber im Nachhinein muss ich zugeben, dass einfach selten etwas Gutes in seinem Leben geschah. Er hat immer behauptet, dass er nur Pech hätte, aber ich wollte ihn aufheitern und habe gesagt: „Ach was, seh doch nicht immer so schwarz, auch bei Dir passiert Positives.“ Aber selber bin ich auch diejenige, die solche Antworten nicht mag, sich davon ab- und zurückgewiesen fühlt, wenn ich im Gefühlskeller sitze.

Aber er hat nicht gerade viel Erfolg gehabt in den unterschiedlichen Bereichen seines Lebens. Dabei war er überhaupt kein langweiliger Mensch. Er war geistreich und konnte so witzig und unterhaltsam sein. Auch fragte er immer nach meinen Kindern. Und erzählte mir wiederum stolz von seinem Neffen und seinem kleinen Patenkind. Er war ein guter Freund, der immer bereit war einem zu helfen oder zuzuhören. Ich konnte mich auf ihn verlassen. Deshalb habe ich umso mehr das Gefühl, ihn im Stich gelassen zu haben, als er mich gebraucht hätte.

Jedenfalls war er in der letzten Zeit fröhlich – oder er tat so, er redete wenig über sich selbst und gar nicht mehr darüber, dass das Leben schrecklich sei oder sinnlos. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, meine ich, dass er irgendwie über gar nichts mehr geredet hat, sich völllig zurückgezogen und sich selbst irgendwie ausgelöscht hat.

Ja, oft begegnet man dem Satz „Jeder ist für sich selbst verantwortlich“. Vermutlich klakste ihn ein bekannter Philosoph aufs Papier und die Menschen zitieren ihn im Glauben, der Satz müsse der vollkommenen Wahrheit entsprechen, weil er ja von einem Hochintelektuellen stamme. Natürlich ist jeder für sich selbst verantwortlich, das will ich hier nicht bestreiten. Doch wir haben schon so viel zu tun, indem wir Verantwortung für uns selbst übernehmen müssen, dass wir manchmal nicht bemerken, wenn anderen Menschen, Freunden, Familie, ein wenig Selbstverantwortung abgenommen werden muss, weil sie sonst erdrückt werden.

Ich achte bereits gezielt auf Gesten anderer, die vielleicht deren Kummer andeuten könnten, zudem bin ich wachsam und zwar bezüglich meiner eigenen Gesten. So bemühe ich mich stets einfach eine gute Freundin zu sein. Das soll jetzt nicht überheblich klingen, aber ich habe fast geweint vor Rührung als genau der Freund, der nun frei verstorben ist, vor einigen Jahren in einem tiefen Tief sagte: „Ich bin froh, dass es Dich gibt.“ Ich habe gelernt, dass es sich auszahlt immer für jemanden da zu sein und einfach mal zuzuhören.

Auch wenn unwiderruflich am Samstag abend dann DER Anruf von einer gemeinsamen Freundin kam, dass er verstorben wäre. Gewollt. Wie sehr muss er gelitten haben, dass er diesen Schritt getan hat? Und wir, sein Umfeld, haben es nicht gesehen, nicht erkannt oder ignoriert. Sicher kann man niemandem die Schuld geben, und es hat auch niemand wirklich Schuld. Ich hätte ihm vielleicht nicht helfen können, weil ich ja nicht die Macht habe, sein Leben schöner zu machen. Das weiß ich. Ich bilde mir auch nicht ein, dass ich ihn hätte ‚retten‘ können. Aber ich hätte gern eine zweite Chance gehabt, genau hinzuschauen, wirklich zuzuhören und für ihn da zu sein. Ihm zu sagen, ich akzeptiere, dass du traurig bist und dass du einen Grund dazu hast, aber gib‘ nicht auf. Ich bin da und du kannst dich auf mich verlassen. Aber es ist zu spät. Es gibt keine zweite Chance.

Ich werde ihn sicher nicht vergessen. Und mit Sicherheit werde ich noch aufmerksamer sein den Menschen in meiner Nähe gegenüber. Und ich werde Suizid nicht tabuisieren, sondern offen reden. Und wenn grad niemand da ist zum reden, niederschreiben. Wie hier.

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Kennst Du den Mythos…?

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No Risk – no fun. Gilt absolut nicht für mich. Jap, wenn ich es mir so recht überlege: ich bin alles andere als risikogeil. Ich warte an roten Ampeln, ich rieche an der offenen Milchtüte. Ich habe Desinfektionsmittel in meiner Handtasche und ich setze mich nicht auf öffentlichen Toiletten. Ich notiere mir alles auf post-it´s und denke für beide Kinder mit. Meine große Tochter hat noch NIE eines ihrer Medikamente vergessen, bzw. ich habe immer an die pünktliche Einnahme gedacht.

Ich bin in alltäglichen Entscheidungen ein Kopfmensch und dramatisiere mich in meinem vermeintlichen Realismus in immer neue Höhen. Wenn mir etwas absurd vorkommt, zu schön um wahr zu sein, es einfach zu arg glitzert, nehme ich Abstand um die Dinge zu betrachten. Vielleicht sieht es im Tageslicht ja plötzlich ganz anders aus? Ich mache Listen. Sie halten die Chance gering, dass ich vor lauter Stress nervöses Augenzucken (und noch mehr Stirnfalten) bekomme. Und ich bekomme es trotzdem immer noch zu häufig. Und Migräne.

Ich habe Lösungen und Vorschläge, Pläne und Ideen. Ich habe einen Duden, ein Fremdwörterlexikon und lese täglich die Tageszeitung. (Na gut, die Tageszeitung nur weil ich es beruflich MUSS, aber es passt grad so schön rein hier).

 

 

 

 

 

 

Tja… aber da gibt es Dich! Du passt eigentlich überhaupt nicht zu mir. Aber das interessiert Dich und Deine Handicaps überhaupt nicht. Du raubst mir oftmals den Schlaf, tanzt durch meinen Kopf, bringst Planungen durcheinander oder lässt einige gar nicht erst zustande kommen. Du  nimmst meine Hand in Deine und marschierst los; ich weiss nicht wohin, ich weiss nicht auf welchen Wegen. Vor uns ist weiter Nebel. Aber um Dich rum warmer Sonnenschein. Gerade in letzter Zeit bin ich geradezu heiser vom Lachen mit Dir, ab und zu ist noch Bauchweh da – aber es ist mehr ein frohes Ziehen in der Magengegend. Eines, dass mich zwar beunruhigen kann und es vielleicht auch tut, aber keines, dass mir Sorgen macht. Ich habe mal wieder gelernt. Von Dir: Das wirklich Beste kann es ab und zu sein, seinen Willen nicht zu bekommen und stattdessen ein bisschen willenlos zu werden.

Im November, vor gerade mal zwei Monaten, bin ich mit Dir nach Göttingen gefahren. „Der ungelöste Fall“ bleibt bisher weiter ungelöst. So viele Professoren, Ärzte und Forscher waren anwesend und haben Dich begutachtet. Aber bisher kam nur eine einzige Rückmeldung bzw. ein Verdacht auf ein sehr seltenes Syndrom. Der Test dazu wurde bereits gemacht; das Ergebnis lässt noch auf sich warten. Die einzige weitere Empfehlung war eine Exom-Sequenzierung. Tja, diese ist aber aktuell noch keine Kassenleistung und alle Einzelfallentscheidungen wurden bisher abgelehnt. Ein Hoch auf die deutsche Gesundheitspolitik. Nicht.

Und trotz- und alledem: Könnte ich Dich planen, würde ich Dir befehlen zu bleiben. Für immer und so. Für immer so. Und das herrlichste Wunderschöne ist, ich kann es nicht – du bleibst mein besonderes Kind, ein Mythos und Dein Geheimnis.