Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf

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Auch ich habe, wie so viele da draußen, meine eigene Hölle erlebt. Ich spürte über lange Zeit am eigenen Leibe, wie ich tiefer reinrutschte – wie ich der Welt und der Sonne nach und nach verloren ging und in den Keller der Verzweifelten versank. Meine Gedanken waren meine schlimmsten Feinde – sie verwundeten  mich am tiefsten und griffen aus dem Nichts von allen Seiten an. Ich konnte sie nicht greifen, nicht besiegen, sie hatten die Macht über mich, sie nahmen mich auseinander – sie, meine Gedanken, Schattenspieler, Drahtzieher, sind meine eigene Auffassung über meine Existenz aus Sicht der Gesellschaft: So wie ich sein sollte!!!

Tüchtigkeit, Pflichtbewusstsein, Verantwortung, Verpflichtung, Zuverlässigkeit, Ausdauer, Durchsetzungsvermögen, Anpassungsfähigkeit, Selbstlosigkeit, Aufopferung, Lebensstandard, Arbeit, Zeit und Geld sind Anforderungen an ein Arbeitstier, das als funktionierendes Etwas gefordert wird. Doch was wird aus Glück, Freude, Strahlen, Unverwechselbarkeit, Freundschaft, Harmonie, Ruhe, Einzigartigkeit, Leidenschaft, Unbezwingbarkeit, Träume, Ideale, Frieden, Zufriedenheit, Lebensfreude, Gelassenheit, Gesundheit, Denken, Glauben, Sehen, Spüren, Atmen, Riechen, Hören, Fühlen – SEIN – oder nicht sein?!

Wäre ich ein Fisch, ich hätte degenerierte Flossen und verkümmerte Kiemen und könnte nicht mithalten in der heutigen Welt da draußen, dem Strom der Gesellschaft. Selbst meine Liebsten wären des Mitleids und der Nächstenliebe so kopflastig, dass sie sich irgendwann abwenden müssten, um ihrer eigenen Zeit hinterher zu kommen.

Was aber das große Geheimnis unserer Existenz – der Lücke der Evolution darstellt, sind unsere Fehler: ohne Flossen und Kiemen sind wir diejenigen, die Land und Luft entdecken und erkunden. Unser Talent ist die Unangepasstheit, das Gegen-den-Strom-Schnellen. So konnte auch ich langsam im Strom der Zeit den Fluss hinauf meine Wege neu definieren: ich stehe zu mir und meinen Fehlern! Alleinsein war/ist verdammt schwer, ich weiss das! Aber es kommt die Zeit da schlägst du (D)einen Weg ein und die Gefährten die Du dann gewinnst, sind Gaben des Lebens. (Danke an A.♥)

Man sucht einen Platz in dieser Welt in der man so seltsam ist, als sei man aus einer anderen (oder ist die Welt seltsam…?!). Ich habe mich nach und nach in meinen Taten, Schritten, Händen, Worten und Gedanken wiedergefunden. Und das macht mich glücklich. Und stolz. Ich bin aus schmerzhaften Fehlern weise geworden und habe die abenteuerlichsten Gelegenheiten mutig genutzt. Dadurch öffneten sich einige Türen von ganz alleine und wer weiß, was sonst noch auf mich wartet…

„Wenn es eine Lektion gibt, habe ich sie gelernt:
Das Leben ist wie Feuer, es brennt und es wärmt
Das Leben ist hart, aber das nehm‘ ich in Kauf
Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf…“

Thees Uhlmann

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