Archiv für den Monat Mai 2016

Traumhafte Erinnerung – erinnernde Träume

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Pfingstmontag. Beim Frühstück beschlossen wir gemeinsam das Planetarium in Bochum zu besuchen. Problemlos wurden online Tickets für die Musikshow „Tabaluga – und die Zeichen der Zeit“ gebucht, und schon beim Trailer auf der Homepage des Zeiss-Planetariums kamen Kindheitserinnerungen hoch.

Meine Eltern waren Peter Maffay Fans. (Und ganz ehrlich: es gibt weitaus Schlimmeres. Mein Musikgeschmack hat sich trotzdem anders entwickelt.) Jegliche Konzerte haben sie besucht, alle Platten / CDs gekauft. Und als Achtjährige wurde mir natürlich Tabaluga nicht vorenthalten. Vernunft und Fantasie wurden mir anhand der Reise eines kleinen Drachens erklärt. Und das wunderbarst. ♥

Mit einem wohligfreudigen Gefühl in der Magengegend fuhr ich mit beiden Töchtern die A2 Richtung Bochum. Ich hatte das Planetarium nur noch aus Schulzeiten in Erinnerung und war umso mehr positiv erstaunt, dass mich eine wahrhaftig moderne (Planeten)Welt empfing. Innerhalb kürzester Zeit (worüber ich sehr erfreut war, denn die besondere Tochter ist nicht gut im Warten) saßen bzw. lagen wir in unseren bequemen Sesseln unter dem Rundkuppel-Himmelsdach. Eine wirklich freundliche junge Dame empfing alle Besucher mit einer kurzen Erläuterung über den Ablauf der Show und dann ging es auch schon mit einem lauten Geschepper (Wecker) los. Tabaluga triftt auf seiner Reise viele Wesen; unter anderem auch den Tod. Hier hatte ich beide Töchter besonders im Auge, denn ich finde das Thema wirklich „schwierig“. Als Tabaluga sich nachts von seiner Reise nach der Zeit erholt, erscheint ihm Tyrion, sein Vater, im Traum. Eine Szene, in der ich schwer schlucken musste und auch Tränchen in den Augen hatte. Aber schon geht es weiter, die Frage ist ja noch nicht beantwortet: WAS ist Zeit? Und WER bestimmt sie? Und vor allem GIBT ES WAS STÄRKERES ALS ZEIT? Bei dieser Frage kommt natürlich die LIEBE dazu. Am Ende jedenfalls waren die Kinder und ich tief beeindruckt von dem Gesamtergebnis. Durch die Kuppel war es weder wie ein Kino-Film und wir brauchten auch keine 3-D-Brille; waren aber trotzdem mitten im Geschehen: im Raum und der Zeit. Verblüffend!

Nach der Vorstellung begleitete mich weiterhin dieses wohlige Gefühl. Sei es die traumhafte Erinnerung an meine Kinderzeit – oder aber der Blick auf meine Kinder, wie sie genauso fasziniert auf diese Tabaluga-Musikshow reagieren, wie ich es als Kind auf das erste Tabaluga-Album (auf Schallplatte) tat. Erinnerungen traumhaft wiederkehren zu lassen gibt die Schönheit der Augenblicke wieder.

Die kleine Tochter kam vorhin mit einem Babyfoto von mir in die Küche und lachte sich kruselig darüber, wie ich damals aussah. Kurze Zeit später lief im Küchenradio Bosse mit „Schönste Zeit“ und bei der Textzeile

„Was wir nicht können

ist irgendwas wiederholen

kein Augenblick kein Moment

kann sich je wiederholen

 

muss ich schwer schlucken. Denn sie ist so wahr. Und mehrmals wurde ich heute darauf aufmerksam gemacht. Erst Tabaluga. Dann das alte Kinderfoto. Nun singt Bosse es mir entgegen. Und immer um mich rum: meine Kinder. Und meine Kindheit.

Es gab kein Trash-TV. Kein Internet, Handy oder Spielekonsolen to go. Bei 90-60-90 dachte ich als junge Teenagerin nicht an Diät oder irgendwelche Traummasse um Jungs zu betören, sondern an ’nehme ich die 60er Kassette um meine Hits auf dem Radio aufzunehmen oder lieber die 90er Länge‘?! Ich bin jetzt als Mutter mal ganz ehrlich: die Zeiten für eine goldene Kindheit wie ich sie hatte sind leider vorbei. Aber ich kann meinen Kindern erzählen wie es war. Ich kann meine Erinnerungen weitergeben. Zum Beispiel wie es war bis zum Sonnenuntergang oder gar bis es ganz dunkel war, draussen täglich rumzutoben. Dass Mama mich suchen und reinzerren musste. Dass da kein Handy war mit dem sie mir eine whatsapp schreiben konnte, weil „DSDS“, „Germany´s next Topmodel“ oder sonstwas grad anfängt. All das werde ich nie vergessen.

Irgendwann war es soweit, auch meine Kindheit war vorbei, und Mutter & Vater schickten mich raus in „die große weite Welt“, oder ich entschied dass es soweit war. Eigentlich ein Kompromiss aus beidem. Jedenfalls hat meine Kindheit mich dazu gebracht auf mein Herz zu hören; auf meinen Herzschlag zu achten. Und was ich bisher in meinem Leben lernen musste ist, dass alles im Leben seine Zeit hat. Aber Peter Maffay kann es schöner als ich wiedergeben:

 

A und O, Liebe und Hass,
es gibt diesen Schlüssel für alles und jegliches Maß.
Es gibt die Treue, die Hoffnung und manchmal Versöhnung und Streit,
glaub mir, alles auf dieser Welt hat seine Zeit.

 

Es ist vielleicht nicht Profi-Mama-like, dieses „back to the roots“ Denken.  Und erst Recht nicht Bosse mit Peter Maffay in einem Blog-Artikel zu mixen. Aber ich mache das was mein Gefühl mir sagt: das Gute aus der Vergangenheit hervorholen um Frohsinn weiterzugeben. Hauptsache, es kommt von Herzen.

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