Je suis…

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Es ist Montagabend der 16. November 2015. Die beiden Töchter puzzlen lachend am Küchentisch während ich die Spülmaschine ausräume. Das Radio dudelt vor sich hin. Eine fröhlichvertraute Stimmung. Alles wie immer. Bis die Musik abgebrochen wird und die Nachrichten anfangen. Es fallen Worte wie Bomben, Tote, Angst und Terror. Die große Tochter versteht diese Worte nicht, ähnlich wie sie das Puzzle mit über 200 Teilen, welches vor ihr liegt, nicht alleine zusammensetzen kann. Die kleine Tochter wiederum hört diese Worte und unterbricht das Puzzlen und kommt näher ans Küchenradio. Mit großen Augen lauscht sie den Nachrichten in einer Art Starre und Geduld wie ich es von ihr als stetiger Wirbelwind eigentlich selten kenne.

Da die Kleine am Wochenende bei ihrem Vater war, heute natürlich erstmal in der Schule und am Nachmittag bei einer Freundin spielen, hatte ich bisher keine Gelegenheit mit ihr über die schrecklichen Vorkommnisse in Paris zu reden. Ich hielt es erstmal für klug herauszufinden wieviel sie denn weiss, bevor ich mit Kopf, Herz und Bauch aushole um nach Worten zu suchen, die mir selbst fehlen um ihr einen solch derartigen Terroranschlag kindgerecht zu erklären. Von daher fragte ich sie ob sie denn wüßte was ich Paris geschehen ist. Sie schaute mich traurig nickend an. In mir kam ein mulmiges Gefühl hoch… wo sind all die richtigen Worte wenn man sie dringend braucht, verdammt?! Das kleine Plappermäulchen der Tochter erzählte mir dass in Paris Bomben hochgegangen sind. Dem Eifelturm sei aber nix geschehen. Dafür aber leider wohl einigen Menschen. Niemand hätte von den Bomben gewusst. Die lägen da ja auch schon so lange unter der Erde. Versteckt. Übrig geblieben. Dieser schlimme Weltkrieg damals. „… sowas darf NIE mehr passieren, Mama!“

Ich reagiere mit Schweigen. Und einer Umarmung. In mir ist es warm und die hektische Suche nach Worten wurde abgebrochen. Ich lasse der kleinen Tochter ihre Version von dem Anschlag. Denn sie fühlt. Richtig.

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