Archiv für den Monat August 2015

Und jetzt bin ich einfach mal traurig…

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Tatsache: Ich war immer jemand, der Depressionen lediglich für die Übersensibilität eines Hypochonders hielt, für eine dramatisierte Form der schlechten Laune. Hinzu kommt, dass ich Weinen, Tränen und Mundwinkel nach unten für „viel zu weich“ empfand. Stark MUSS man sein!

Tatsache ist auch: Ich habe kapituliert. Nach langem Kampf MUSSTE ich einsehen, dass mein Geist leidet. Trotz vermeintlicher Glitzerpflaster, die ich mir immer wieder stibitzte um nicht vom mittlerweile dunklen Alltag ins Schwarze abzutauchen.

Schwarz. Ich las letztens diese Worte, in denen ich mich wiederfand: „Schwarz ist eine Farbe. Die Farbe vom Wind, der nicht weht. Die Farbe von Licht, das nicht leuchtet. Und die Farbe von Feuer, das nicht wärmt.“

Ich habe Angst vor diesem Schwarz. Und nun habt bitte keine Angst um mich. Es ist nicht so, dass ich ständig traurig bin oder gar von Selbstmord rede. Nein. Ich bin viele Stunden am Tag eine überaus aktive, fröhliche Frau. Ich habe auch gelernt zu vertrauen, mich anzuvertrauen. Es wird mir von meinen Freunden lächelnd eine gewisse „Dummheit“ hintergesagt, bzw. ich brauche meist etwas länger um „abzuchecken“, aber gleichzeitig wird mir allgemeine Intelligenz zugestanden. Von daher: ich bin echt sowas von normal.

Und trotzdem hat mich eine tiefe, erschütternde (Selbst-)Unsicherheit im Griff. Wie ein Gift überkommt sie mich, ein Gift, das mich lähmt. Alle Kraft ist mit einem Mal spurlos verschwunden. Die berühmten Worte, die ich mittlerweile abartig hasse „Jetzt reiss Dich doch mal zusammen“, die ich so oft von aussen höre, schreie ich mir innerlich selber zu. Und es wird damit noch schlimmer. Mich selber noch weiter runterreissen. Herzlichen Glückwunsch für so viel Dummheit / Verzweiflung.

Auch heute wieder. Ich kämpfe gegen das Schwarz. Versuche mich hochzuziehen. Zwinge mich das Schwarz mit Weiss zu überdecken… auch wenn ich doch mittlerweile von einer Expertin gesagt bekommen habe, dass ich mir das Recht eingestehen DARF, das Schwarz NICHT mit Weiß zu überdecken. Denn daraus wird Grau. Und Grau ist nicht hübsch. Grau ist wie Sodbrennen. Wie eine verschleppte Grippe. Durchfall. Will keiner haben.

Was ich eigentlich schreiben wollte ist, dass es mir jahrelang schlechter ging, als ich gezeigt habe. Und dass ich mir sicher bin, dass es vielen Menschen so geht. Dass Grenzen, sei es auf Leistungs-, Schmerz- oder Kraftgrenze, schon längst überschritten wurden. Aber sie WOLLEN und MÜSSEN (ich hasse dieses Wort!) weiter funktionieren. Als Eltern, als Partner, auf der Arbeit oder als MENSCH.

Und damit verschenken wir die Chance glücklich zu sein!

Ich schäme mich dafür, dass ich die Krankheit „Depression“ immer noch nicht begriffen habe. Dass ich Menschen nicht ernst genommen habe, die darunter litten. Aber ich bin auch so ehrlich und gestehe mir ein, dass ich diese Krankheit wohl nie jemals begreifen werde. Das Wichtigste jedoch: ich habe begriffen dass es EINE KRANKHEIT IST. Eine ziemlich gemeine sogar. Denn sie kommt unerwartet, ohne jegliche Vorwarnung. Und es kann jeden treffen.

Was ich mir wünsche ist dass ihr euch öfters gönnt zu sagen:
Ich bin traurig.
Und ich will genau jetzt auch traurig sein.
Und nö! Ich werde nun nicht aufhören zu weinen.

Nehmt euch Zeit zum traurig sein, denn danach habt ihr mehr Zeit zum glücklich sein. Und umso mehr werdet ihr dieses Glück genießen. Mit jedem Atemzug, jedem Windhauch, jeden Sonnenstrahl und jedem wärmenden Feuer.