Zeit

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Die kleine Tochter traut sich neuerdings immer mal wieder im Alleingang etwas zu unternehmen. Wichtig sind ihr dabei aber klardeutliche Ansagen meinerseits. Sie fragt mehrfach nach WANN sie wieder am vereinbarten Treffpunkt sein soll und dabei geht ihr fragender Blick von mir auf ihre bunte neue Kinderuhr am Handgelenk. Vor einigen Tagen fragte sie mich abends im Badezimmer beim Ablegen der Uhr doch glattweg mit rümpfender Nase „Mama, warum gibt es eigentlich Zeit?“ Spontan antwortete ich aus dem Bauch heraus: „Damit nicht alles auf einmal passiert.“ Ich sah ihren Kinderkopf nicken. Sie gab sich mit meiner Antwort zufrieden.

Das Zufriedenheitsgefühl stellt sich aber nicht bei mir ein. Denn oftmals ist es so, dass wirklich ALLES AUF EINMAL PASSIERT! Liebe Zeit, wo bist Du da nur? Wo versteckst Du Dich? Da sind meine beiden Töchter, der Job, der Haushalt, der Garten, das Auto welches in die Werkstatt muss, die Freundin die grad Trost braucht, der Magen der knurrt, die Augen die zufallen und dringend Schlaf oder Kaffee brauchen. Da klingelt das Telefon denn die Mutter fragt nach dem Wohlbefinden, der Kalender zeigt an dass da diese Woche noch eine Blutabnahme für die große Tochter und ein längst fälliger Hautarzt-Termin für mich stehen, der Geburtstag eines Freundes, das Handy spielt die whattsapp Melodie denn die Freundin fragt ob ich für ein Sektchen vorbeikomme. Auf dem Weg nach draußen schaue ich in den Briefkasten und sehe Urlaubsprospekte und weiss dass dieser auch viel zu schnell näherrückt, ich aber bisher nicht dazu kam darüber nachzudenken wo es überhaupt hingehen soll.

Wenn ich das Wort ZEIT anschaue, kommen eigentlich nur Erinnerungen hoch. Ich empfinde Vergangenes. Und Respekt. Denn ich merke mit Blick auf meine Kinder, dass Zeit ihre wahre Größe doch erst zeigt je älter man wird. Und deshalb kann ich die Neugierde meiner kleinen Tochter gut verstehen, dass sie wissen möchte, warum es eigentlich Zeit gibt. Sie nimmt Zeit ganz anders wahr, denn sie hat genug davon. Meine Zeit jedoch ist knapp bemessen und ich meine hierbei nicht mein Lebensalter. Ich meine den Stress, den ich gerade habe. Ich schaue viel zu wenig auf die Gegenwart, sondern habe immer die Zukunft im Blick um mein Leben nicht aus den Fugen geraten zu lassen.

Wir waren alle mal Kind und haben die Welt täglich aufs Neue erlebt und sind an unseren Erfahrungen gewachsen. Und diese Wahrnehmung, die wir als Kind hatten, müßte eigentlich wach gehalten werden. Ich muss mir aber leider eingestehen, dass ich oftmals blind und taub durch diese viel zu laute und hektische Welt gehe. Und ich muss mit einem Kloss im Hals weiter zugestehen, dass einige Menschen, Dinge, Ereignisse, Probleme die vor einigen Jahren noch höchst präsent waren, heute wirklich Klein- oder Nichtigkeiten geworden sind. Heisst das also, dass Zeit Dinge nichtiger und kleiner werden lässt? Bin ich einfach vergesslich oder ein Meister im Verdrängen? Mit Schuldgefühlen kommt in mir ein „aber ich habe ein turbulentes und nicht einfaches Leben, und die Probleme sind jeden Tag von anderer Bedeutung. Und machmal läuft mir nunmal die Zeit davon um mich ewig mit ihnen auseinandersetzen zu können. Ich  möchte LEBEN!“ hoch.

Die kleine Tochter hätte weiter fragen können, was passieren würde wenn die Menschen alle Uhren verbannen. Obwohl, dazu gefällt ihr die neue Armbanduhr viel zu gut 😉 … aber ich wäre gern bei diesem Experiment dabei, sollte es je starten! Ich könnte dann endlich mal die Worte „STOPP, BITTE MAL LUFTHOLEN!“ oder einfach ein seufzendes „Es ist mir grad ALLES zu viel. HALT!“ ohne schlechtes Gewissen rauslassen. Es wäre wie ein die Lebensbatterie aufladen dann wenn sie es nötig hat. Und nicht mehr ein Leben auf den letzten Akkuprozenten. Eigentlich ein schöner Traum. Bei der nächsten „Nacht der Sternschnuppen“ werde ich mir die Zeit nehmen, um an diesen Wunsch zu denken wenn ich denn eine Glitzerschnuppe entdecken sollte. Gleich mal im Netz googlen wann die nächste Nacht ist und dann im Kalender eintragen… ach Moment, es klingelt grad an der Tür. Der Nachbar gibt mir seinen Haustür-Schlüssel, damit ich in den nächsten 2 Wochen an seine Blumen und Mülltonnen denke. Schnell mal notieren. Huch! Wieso schreibe ich grad das Wort HAMSTERRAD in den Kalender?! Tja nun…

Was ich mir wiederum vom gemeinsamen Leben mit der besonderen Tochter abgeschaut habe, ist dass man sich an den wenigen schönen Ereignissen hochziehen kann. Es sollte also auf die Zeitqualität ankommen. Und selbst wenn mal tage- oder gar wochenlang eine Scheisse nach der nächsten passiert… einfach im eigenem Kopf-Denkarium die Sonnentage hochholen, denen man eine sehr große Bedeutung beigemessen hat. Oder aber ganz nach meiner Lebensart: wegträumen. Mit Blick in den Horizont.

SCHÖNE Scheisse! 😉  #positivethinking

 

 

 

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  1. Du schreibst so unglaublich gut und ehrlich. Ich ziehe meinen Hut vor dir. Alle guten Wünsche die es gibt sende ich dir hiermit, übrigens, ich trage seit Jahren keine Armbanduhr mehr………….! LG Thomas

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