Archiv für den Monat April 2015

Danke, dass es Dich gibt, mein Kind.

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ELF(E)

ELF(E)

Liebe Maja,

und wieder bist Du Wunderkind ein Jahr älter. Elf Jahre, in denen viel passiert ist. Und man kann ganz ohne Drama oder Übertreibung sagen: wir haben in all den Jahren viel verdammt große Scheiße zusammen durchgestanden (ich könnte hier diverse Diagnosen, Krankenhausaufenthalte, Ablehnungen und vieles mehr aufzählen; erspare ich uns aber). Zwischen uns beiden war es auch nicht immer alles leicht. Wir hatten auch unsere Kämpfe miteinander.

Was ich an unserer Mutter-Tochter-Beziehung aber besonders mag, ist, dass wir einfach wissen, dass wir füreinander da sind, egal was passiert. Aber was ich noch viel mehr mag, und was ich erst vor gar nicht allzu langer Zeit begriffen habe: dass wir so verschieden und einander doch so ähnlich sind.

Ich meine, hey, Du (er)lebst Deinen Alltag auf eine besondere Art und Weise, von dem ich nicht im entferntesten weiss, wie Du ihn (er)lebst; ich lebe meinen Alltag, der Dir oft sehr hektisch erscheint, Dich aber trotzdem nicht aus der Ruhe bringt. Und das ist okay. Jeder von uns hat seins, und wir treffen uns irgenwo in der Mitte, da, wo wir uns einig sind. Zum Beispiel darin, dass wir unsere Rückzugsmöglichkeiten brauchen.

Weisst Du eigentlich, was Du mir bedeutest? Du hast aus mir einen anderen Menschen gemacht. Ich fühle, sehe und lebe anders. Und ich finde das hat mich zum Positiven verändert! Und was noch viel wichtiger ist: wenn es mir richtig beschissen ging (und es gab Zeiten, da war das ziemlich oft), da warst Du einfach da. Hast mich einfach aus Deinen riesigen blauen mandelförmigen Augen stumm angeschaut. Du kennst mich, mit allen Sorgen, Nöten, Idiotien und Baustellen. Da bin ich mir sicher. Auch wenn Du viel zu oft viel zu weit weg abwesend bist, deine Augen und Dein Lächeln sprechen manchmal für sich.

Das alles hier schreibe ich, um mir mal wieder vor Augen zu führen, was für ein großartiges Kind Du bist. Ich habe oft Bilder von Dir kurz nach Deiner Geburt vor Augen, und jedesmal, könnte ich Weinen dabei. Dass Du es überhaupt geschafft hast. Zu leben. Und allein dafür (neben all den anderen Sachen, die Du kannst und machst und denen, die Du sein lässt, weil Du sie eben (noch) nicht kannst) bist Du für mich neben Deiner Schwester der beste Mensch, den es auf diesem Planeten gibt.

Jetzt bist Du schon seit einiger Zeit ein Schulkind und viele Leute arbeiten täglich an und mit Dir. Es sind einige wirklich tolle Sachen dabei, wie zum Beispiel die Therapiepferde AG oder der Gebärdensingkreis. Da sind Menschen um Dich, die es so wirklich wirklich drauf haben. Und das tolle ist, diese Menschen inspirieren mich bei unserem gemeinsamen Alltag. Sie spornen mich geradezu an, weiter an Dich zu glauben. Dir neue Herausforderungen zu bieten. Du bist nämlich so viel besser, als man auf den ersten Blick glaubt.

Trotzdem kommen immer wieder mal Rückschläge. Neue harte Diagnosen von den Ärzten. Du wirst niemals wie andere Kinder in Deinem Alter sein. Und ich hoffe, dass Du das nie herausfindest und anfängst Du vergleichen. Eher hoffe ich, dass Du irgendwann langsam begreifen kannst: dass es okay ist, dass Du nicht immer sofort so schnell und gut bist wie all die anderen. Und dass Du an Dich glaubst!

Vor allem aber wünsche ich Dir, dass Du sein kannst wie Du bist. Glücklichst. Denn eigentlich ist das Beste, was mir passieren kann: dass es Dir gut geht.

Danke, dass es Dich gibt, mein Kind!