Freunde sind wie Sterne…

Standard

Die erste Mutter-Kind-Kur mit meinen 2 Töchtern steht an. Ankunft gegen 16:30 in Schillig, Wangerland, an der Nordsee. Gegen 18:00 betreten wir 3 gemeinsam den Speisesaal zum Abendessen. Auf allen Tischen stehen Namensschilder, also nix mit meiner Hoffnung nach freier Platzwahl, am liebsten ins letzte Eckchen vom Saal. Die besondere Tochter hat Kohldampf und mir stehen bereits die Schweißperlen auf der Stirn vor innerer Unruhe. Wird sie sich „benehmen“ und nicht „ausrasten“ vor versammelter Mütter- und Kinderschaft hier im überfüllten, lauten und wuseligen Speisesaal? Nach einigem Suchen finden wir endlich unseren Tisch (Nummer 5). Ich entnehme der Tischgröße, dass wohl noch eine Familie hier ihren Platz findet. Und ja, das Tischschild verrät mir: eine Mutter mit 3 Kindern. Im Geiste tat mir diese Frau bereits leid, denn ich weiss ja dass die Tischmanieren der besonderen Tochter nicht die allerfeinsten sind und auch dass die andere Tochter beim Essen quasselt und nicht still stitzt. Aber noch ist der Tisch leer und wir 3 stellen uns in die lange Mütterkinder-Schlange vor dem Buffet.

Als wir zum Tisch zurückkehren sitzen bereits die 4 Tischpartner dort. Schüchtern stelle ich mich und Maja kurz vor, nur die kleine Tochter quasselt selbstständig ihren Namen und auch sonst allerlei Zeugs was die 4 bestimmt nicht wissen möchten. Aber ich bin nach einigen Minuten verwundert: es herrscht Harmonie am Tisch. Es wurde schnell, selbst von der kleinen 6-jährigen Eliana, begriffen, dass mit Maja etwas nicht stimmt. Natürlich wurde sie neugierig immer mal wieder gemustert. Aber mit lächelnden Blicken. Und ich seufzte innerlich tief und wohl auf.

Nach dem Abendessen bin ich mit den Töchtern hoch aufs Zimmer gegangen. Und die kleine Tochter fragte zugleich: „Kann ich meine neuen Freunde heute nochmal sehen?“ Ich fragte: „Welche Freunde denn, bitteschön?“ Die Antwort konnte ich mir fast selber geben: „Orrr Mama, die 3 Kinder vom Tisch. Meine neuen Freunde eben!“ Ich schaute meine Kleine an. Gerötete Wangen, Lächeln in den Mundwinkeln und blitzende, vor Aufregung funkelnde, Augen. Dann blickte ich in mich hinein. Verlegenheit, Schüchternheit und Ängste. Warum haben Kinder es so leicht Freunde zu finden? Da fährt man über 300 Kilomter weit weg in Kur und innerhalb von 2 Stunde nach Ankunft kommen die Kleinen mit „neuen Freunden“ an. Ist das  nicht herrlich schön?

Warum haben wir Erwachsenen mit „neuen Freunden“ eher unsere Schwierigkeiten? Sind wir zu wählerisch? Wurden wir zu oft enttäuscht? Nehmen wir uns nicht die Zeit? Oder haben wir sogar die Denkweise „es gibt nur diesen einen echten Freund, den dann aber für´s ganze Leben“?

Um Freunde zu finden braucht es ganz gewiss ein Quäntchen Glück, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und gegebene Umstände, die es erleichtern Menschen überhaupt kennen zu lernen. Gerade so eine Situation wie ich sie hier gerade erlebe, eine Kur an einem fremden Ort, mit vielen (noch fremden) Menschen um mich rum, könnte so ein „Glückszufall“ sein. Langsam tastet man sich heran, lernt sich durch gemeinsame Unternehmungen, mit und ohne Kinder, besser kennen. Irgendwann dann, wenn man sich des Gegenübers sicher ist, teilt man Probleme, Sorgen und Nöte.

Dann wiederum gibt es aber auch bereits jahrelang vorhandene Freundschaften, an denen der Zahn der Zeit nagt; oder aber an der Entfernung oder den Lebenswegen.  Oft lautet die Devise: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“  Zwar müssen diese Distanzen nicht unbedingt zum K.O.-Schlag für die Freundschaft werden, schließlich gibt es viele Kommunikationsmöglichkeiten, aber E-Mails und Telefonate können ein persönliches Gespräch, bei dem man sich in die Augen sehen kann, nicht ersetzen. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Freunde, die man nach Monaten oder Jahren wiedersieht, und alles ist genauso wundertoll wie beim letzten Aufeinandertreffen.

Freunde

Wer wirklich von sich behaupten kann, er habe echte Freunde, der kann sich also glücklich schätzen, denn vielen in unserer Gesellschaft geht es nicht so.
Freundschaft sollte nie als selbstverständlich angesehen werden. Man darf nicht vergessen, dass zur Erhaltung einer Freundschaft alle Beteiligten mithelfen müssen, denn eine Freundschaft besteht nicht nur aus Geben oder nicht nur aus Nehmen, es muss ein gegenseitiges Wechselspiel erfolgen. Und da spiele ich sehr sehr gerne mit. 🙂

 

Advertisements

Eine Antwort »

  1. Oder haben wir sogar die Denkweise “es gibt nur diesen einen echten Freund, den dann aber für´s ganze Leben”?

    Genau das traf lange auf mich zu, ich habe dieses Thema jahrelang „zu hart“ genommen. Ich hatte das Gefühl, nicht eben diesen einen „besten Freund“ zu haben, oder besser: Nicht mehr zu haben. Eine Weile gab es so einen, aber nach vielen Wirrungen in unser beider Leben war das nur noch ein Aufrechterhalten meinerseits, einseitig, ein Festhalten, bis ich mich entschied loszulassen.

    Dann saß ich da mal in so einem Seminar. Eine berufliche Fortbildung, es ging um Selbsteinschätzung / Fremdeinschätzung. Eine Aufgabe war es, jemanden anzurufen der einen länger kennt, und sich von demjenigen ein Feedback zur eigenen Person einzuholen. Also rief ich an, jemanden, der mit dem Kennenlernen Frau Wielands in meinen Umkreis geriet. Und das erste, was derjenige als Beschreibung meiner nannte, war, dass ich auffällig viele Freunde hätte. Das saß.

    Seit diesem Moment war und bin ich mir dessen bewusst. Ich habe nicht einen oder den besten Freund. Aber ich habe das Glück, ein Netz von Freunden zu haben, die mich auffangen wenn es mal schlecht läuft und mit denen ich auch Freude teilen darf. Das Auffangen ist erprobt und funktioniert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s