Archiv für den Monat August 2014

Pferdi Hasenzahn

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Als der vordere Schneidezahn im Unterkiefer in der Schwangerschaft mit der kleinen Tochter anfing sich nach hinten zu schieben starteten sie: die Alpträume. Ich war wieder 13 Jahre jung, Schülerin auf dem Gymnasium, und meiner Meinung nach das hässlichste Mädchen der Stadt wegen meiner Zähne. Mein Unterkiefer war zu weit hinten und meine Vorderzähne lugten deshalb trotz Zahnspangenverdrahtung extrem weit nach vorn. Obwohl meine Eltern sehr penibel und fürsorgend waren und mich bereits mit acht Jahren zur Kieferorthopädin schickten, nahmen die Qualen vor dem Spiegel kein Ende. Ich hasste es mich anzuschauen. Mein Gebiss glich das eines Kaninchens, meine Spitznamen waren Hasi und Pferdi.

In jeder Klasse gibt es einen „Klassentrottel“. Ich hatte in meiner Klasse die weibliche Hauptrolle dieser Position inne. Mit 13 Jahren liessen auch meine Leistungen in der Schule nach. Ich wollte einfach nicht mehr zur Schule. Abends lag ich im Bett und malte mir bereits den Folgetag in düsteren Farben aus. Falls in Biologie das Tier Pferd oder Hase zur Sprache kamen wurden sofort Witze über mich gemacht. Und wenn 25 Lacher gegen Dich schnellen, schreit die Seele laut vor Schmerz.

Meine Eltern wussten natürlich von den Hänseleien. Sie gingen mit mir zur Uniklinik Münster. Und willigten sogar einer Operation ein. Ein künstlicher Kieferbruch sollte helfen. Der Unterkiefer sollte 2 cm nach vorne gezogen werden. Als 13-jährige dachte ich nicht viel nach über Komplikationen oder Schmerzen. Ich wollte einfach nur Aussehen wie die anderen Mädchen meiner Klasse. Einfach mal angelächelt werden, statt ausgelacht.

Die Operation verlief erfolgreich. Das Schuljahr weniger. Ich fehlte insgesamt über 3 Monate aufgrund der kieferorthopädischen Behandlung in Münster und konnte den Schulstoff nicht aufholen. Ich blieb sitzen mit drei fetten Fünfen. Latein, Mathe und Chemie. Ich lächelte zu Beginn des neuen Schuljahres zwar immer noch verdrahtet (die Zahnspange trug ich noch bis zu meinem 17. Lebensjahr), aber ich hatte ein endlich ein schönes Gesichtsprofil. Ich fing an mich zu mögen. Und mein Selbstvertrauen wuchs. Ich wurde in der neuen Klasse langsam sogar beliebt. Trotzdem verliess ich nach der elften Klasse das Gymnasium, wechselte zur Höheren Handelsschule und machte dort sehr erfolgreich mein Fachabitur. Zudem habe ich eines NIE vergessen: wie es ist ein „Außenseiter“ zu sein.

Es gibt nichts Gnadenloseres als Schule. Wenn die Ansichten der Eltern nicht mehr zählen, braucht man Gleichaltrige, die vermitteln: Du bist o.k. mit deinen Ansichten, deiner Musik, deinem Aussehen. Bist ein guter Typ ­ und nicht der Klassendepp, die Heulsuse, der Schleimscheisser. Das brennt sich ein, zerfrisst das Selbstbewusstsein auf Jahre und Jahrzehnte. Und irgendwas hängt mir davon bis heute im Nacken. Dieses Gefühl vom hässlichen Entlein.

Zurück zur 2. Schwangerschaft und dem sich verschiebenden Zahn. Je dicker mein Bauch wurde, umso mehr schob sich der Zahn nach hinten. Nach der Geburt ging ich sodann zum Zahndoc meines Vertrauens und der riet mir: (hier hören Sie Tatortmusik) ab zum Kieferorthopäden! Vor 18 Monaten hab ich mich dann hingetraut und der Zahn war mittlerweile soweit nach hinten gerutscht, dass wirklich nichts mehr übrig blieb als die Behandlung mit einer festen Zahnspange. Ich war so eitel und nahm sogar die noch teurere Rechnung in Kauf und liess mir weisse Brackets auf die Zähne kleben, damit die Zahnspange nicht ganz so arg auffällt. Aber trotzdem litt ich. Alleine beim Behandlungsbeginn liefen mir wirklich Tränen vor der Praxis die Wangen hinunter. Wieder liess ich wie in meiner Teenagerzeit damals meine Haare oftmals offen und ins Gesicht fallen um meine „Hässlichkeit“ zu verbergen.

Vor drei Tagen wurde ich von allen Drähten erlöst. Und auch da flossen wieder Tränen bei mir. Erleichterungstränen. Die Behandlung war erfolgreich. Alle meine Zähne sind wunderschön grade. Ich kann wieder lächeln. Offen. Frei. GlücklICH.

 

Pferdi Hasenzahn

Gib 8 auf Dich

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Ich gratuliere Dir heute von ganzem Herzen zu Deinem achten Geburtstag, liebe Jenna. Deine königsblauen Augen strahlen mittlerweile nicht nur für mich allein sondern sie erfreuen auch viele andere Menschen, die Dich genau so schätzen wie Du bist. Du bist mein Stolz, es ist mir eine Freude Dich zu beobachten und Dich zu erleben.

Du warst bereits als Baby aktiv, lustig und quirlig. Als Kleinkind ebenso munter und lernbegierig. Nur fehlte Dir oftmals Mut und Selbstvertrauen. Und diese zwei Eigenschaften kamen im letzten Lebensjahr zum Vorschein, zwar gepaart mit Neugier und Ungeduld, was mich oftmals an den Rand meiner Beherrschung brachte, aber ich habe aus vielen Situationen einfach mitgelernt.

Mittlerweile beschreitest Du eigene kleine Wege und ich bin beeindruckt wie Du als eines der jüngsten Kinder in der Klasse die Schule ohne grosse Hilfe meisterst, erste eigene Entscheidungen triffst, wie Du mit Menschen im Alltag umgehst und dich (teilweise noch chaotisch) selber organisierst. Deine Klassenlehrerin sagt Du hättest einen „Fühler“ dafür, wenn es Mitschülern nicht gut geht. Du stehst (egal wem) sofort zur Seite und bietest Deine Hilfe oder einfach deinen Arm an.

Dein Lachen ist herzerfrischend! Ich möchte dich weiter ermutigen, auf dein Gefühl zu vertrauen und auch das auszusprechen was dir missfällt – selbst wenn dies anderen unbequem erscheint.

Mein Sternchen, ich möchte dir heute Danke sagen! Für deinen Widerstand, dein Auflehnen, dein Protestieren. Für dein Vertrauen und deine bedingungslose Liebe!

Auf ewig deine Mama, ich bin stolz auf dich!