Ich lass es… mir gut gehen!

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Thees Uhlmann singt: Und es ist Sommer in der Stadt… einer meiner Lieblingssongs zurzeit.
Und ja passend ist es warm um einen herum… und ja, warm auch in meinem Herz.
Meine eigene Wärme. Herzwärme. Ich l(i)ebe.

Die letzten Monate waren ziemlich turbulent. Es mag daran liegen, dass ich meinem Leben auf den Grund gehe. Zusammen mit einer Expertin. Fast ist es in letzter Zeit so als würde ich im Zimmer der Therapeutin meinen eigenen Film in den alten VHS-Kassettenrecorder legen. Zittrig auf PLAY drücken und zuschauen. Zuhören. Verwundert die Stirn runzeln. Vor Scham rot anlaufen. Traurig die Augenlider schliessen. Laut losprusten. Glücklich ausatmen. Schreckhaft zusammenzucken. Jedwede Farbe ist im Film enthalten, Gefühlschaos. Und ich möchte, ich kann und ich will das Filmband entwirren. Und lernen.

Der erste große Schritt, ein wunderschöner Lernerfolg, ist getan: Achtsamkeit und Selbstfürsorge. Ich darf und ich muss an mich denken. Trotz und gerade wegen meiner 2 Töchter. JEDER hat das Recht auf eine Pause. Auch eine Mutter mit einem besonderen Kind. Seit Jahren überlege ich bereits ob ich die „Verhinderungspflege“ für meine Tochter annehme (d. h. ich kann eine Person beauftragen mit meiner Tochter ZEIT zu verbringen). ZEIT, die ich wiederum, FÜR MICH nutzen kann. Ich habe es immer als egoistisch angesehen. Ich habe an mir und meiner Kraft, Stärke und Mutterliebe gezweifelt, wenn mir mitten in der Überschätzung meiner Selbst als einzige sinnvolle Lösung diese Verhinderungspflege in den Kopf kam. Mittlerweile habe ich die Lebenshilfe hier in der Stadt kontaktiert. Es fand ein Vorstellungsgespräch statt und Maja freut sich bereits riesig wenn die junge Dame voller Elan und guter Laune kommt und mit ihr Unternehmungen macht. Es ist wunderbar, sich ein Innehalten zu erlauben und genug Kraft zu sammeln um schließlich weitermachen zu können.

Mein Freundeskreis hat sich in den letzten Jahren extremst verkleinert. Ich habe es immer damit in Zusammenhang gebracht, dass es an der Schwerbehinderung meiner Tochter liegt. Ich habe aber nun im Spiegel gesehen, dass das nicht der einzige und entscheidende Grund für die kleine Zahl der „echten Freunde“ ist. Der wahre Grund ist: Ich habe zu wenig gesprochen. Über meine Bedürfnisse. Ich war immer „nur“ für alle da. Still. Schweigend. Nur zu mir selbst hab ich immer konststant gefordert „Jetzt komm doch endlich wieder klar!“ Die letzten Wochen durfte ich erfahren wie es ist Unterstützung einzufordern und anzunehmen (ja, ich habe es wohl nie richtig beigebracht bekommen bzw. ich wollte nie jemanden zur Last fallen, ich habe mich einfach schwer damit getan). Ich unternehme sehr viel mit „alten“ und auch „neuen“ Freunden und es ist wunderschön sich von diesen Menschen ein Stück weit auffangen zu lassen. (An dieser Stelle: Danke, dass es euch gibt!!! <3)

Ich und meine To-do-Listen und meine Termine waren schon immer gemeinsam im Teufelskreis unterwegs. Und zwar mit 180… und irgendwann in den letzten Monaten kam der Vollchrash gegen die Mauer. Es ging einfach nicht so weiter. Es war nicht mehr realistisch was ich mir aufgebrummt habe. Der Anblick meines Terminkalenders verursachte mir Bauchschmerzen. Ich habe nun gelernt auch mal NEIN zu sagen. Und es tut noch nicht mal weh. Wirklich! Ich plane meine Termine nur noch mit gewissenhaftem Blick auf meine Kraftreserven. Und ich habe nun auch Zeiten für mich im Kalender stehen. Gestern erst war ich einen ganzen Tag (ohne Kinder!) in Holland und liess meine Augen Meer werden. Meine Batterien sind nun mit Glückshormonen aufgeladen. Die beiden Töchter sind übrigens die ganze Woche mit den Großeltern unterwegs. Das allererste Mal nach über zehn Jahren, dass ich ohne Kinder  7 Tage frei für mich zur Verfügung habe. Und ich sage mir: Ich habe diese Pause verdient. Ich bin nicht entbehrlich und gerade deswegen muss ich mich mal entbehrlich machen.

Anhalten mitten auf der Einbahnstrasse und endlich merken, dass allein ich es bin, die das Lenkrad in der Hand hat. Ich bin dabei mir Selbstwert in den Kofferraum zu laden um mich dann wieder ans Steuer zu setzen. Und ich möchte völlig wertfrei ein stückweit die Einbahnstrasse rückwärts zurückfahren um mich dann im Sommer der Stadt in die Straßen „heute“, „morgen“, „übermorgen“ … zu trauen.

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