Archiv für den Monat Mai 2014

Whirlpool der Gefühle

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Feiertag, Regen. Also wird am Abend vorher schon Schwimmbadtag mit den beiden Töchtern entschieden. Voller Freude rennen die 2 Töchter vom Auto aus Richtung Schwimmbadhalle. Es ist schön die 2 zu beobachten, wie sie lachen. Kinderfreude. Da wird das eigene Herz mitgerissen, egal wie traurig es gerade ist.

Drinnen angekommen merken wir, dass viele Menschen auf die Idee gekommen sind diesen Regen-Feier-Tag durchzuschwimmen. Wir sind zu dritt und zwängen uns in eine Einzelkabine. Bis eine nette ältere Dame mir zuflüstert: „Ihre Tochter hat doch bestimmt ein Schwerbehindertenrecht. Da vorne sind 2 Kabinen, die sind größer.“ Sie zwinkert mir freundlich zu und in mir steigt Dankbarkeit hoch. Ich bin zurzeit gefühlsüberfordert. Da reicht so ein netter Hinweis einer älteren Lady um meine Tränenkanäle zu starten.

Wir machen uns sodann in Badekleidung auf den Weg zum Nass und alle sollen das mitbekommen. Dieser Devise folgt die besondere Tochter, indem sie laut irgendwelche Schlagersongs gröhlend freudig die Schwimmhalle durchquert. Auffallen?! Können wir. Erst wird gerutscht, dann wird das Spassbecken durchquert. Beide Töchter fordern meine volle Aufmerksamkeit und schon bald merke ich, dass mein Körper, meine Kraft, schlapp machen. Ich bin froh als die besondere Tochter auf die Idee kommt, in den Whirlpool zu wollen. Sie klettert aus dem Schwimmbecken und macht schwere, breite Schritte mit ihrem auffällig weichen, ungelenkigen Körper Richtung des kleinen Whirlpools und ich sehe, dass dieser gut besucht ist. 2 Pärchen und 3 Kinder sassen lachend im warmen Sprudelbad. Aber das Lachen erlosch ruckartig. Die 7 erblickten meine Tochter und als diese an der Leiter zum Einstieg in den Pool stehenblieb sprechen die Gesichter der bereits drin Sitzenden Bände. Es war eine Mischung aus Ekel und Ablehnung. Der kleine Junge sagte: „Boar, ist die fett!“ und die Mutter fügte hinzu: „Los, lasst uns lieber raus, die pinkelt uns noch ins Wasser.“

Mein Herz blieb stehen. So viele Gefühle durchflossen mich gleichzeitig. Mein Kopf hämmert, ich höre mein Wut-Blut pochen. Ich atme tief ein und aus und übe Gelassenheit.

Die 7 verlassen den Whirlpool und ich stehe immer noch geschockt von den Worten da. Die besondere Tochter hat das alles nicht mitbekommen und steigt freudig die Treppe runter in den Pool und ruft „uuuuh, so schön warm!“ Bei diesem Anblick wird mir auch warm. Ums Herz. Dem Bademeister anscheinend auch, denn er kommt mit einer Kiste bunter Bälle zum Whirlpool und schüttet diese über die kreischende Tochter. Er zwinkert und geht von dannen.

Ich steige in das buntwarme Nass dazu und lasse meine Gefühle durchfluten.

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