Struwwelpetra

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Heinrich Hoffmann wusste bereits:

„Sieh einmal, hier steht er,
Pfui! der Struwwelpeter
An den Händen beiden
Ließ er sich nicht schneiden
Seine Nägel fast ein Jahr;
Kämmen ließ er sich nicht sein Haar.
Pfui! ruft da ein Jeder:
Garst’ger Struwwelpeter.“

Die besondere Tochter mag die Geschichte. Sie lacht, wenn sie die Bilder vom krausigen Kopf und die langen Nägel vom Struwwelpeter sieht. Dass aber sie selber alles Nötige dazu beiträgt, um auch eine „Struwwelmaja“ zu sein, versteht sie nicht so ganz.

Maja ist äußerst empfindlich an den Händen und Füßen, an der Zunge und vor allem am Kopf. Das lässt sich teilweise durch ihre Epilepsie erklären. Aber trotzdem ist es zum Beispiel für meine Tochter eine Qual einfach die Haare zu kämmen, die Zähne zu putzen, die Hände im Winter in Fäustlinge zu packen oder morgens die Socken anzuziehen. Alltägliche Handlungen, die sogar teilweise mit zur Grundhygiene gehören, bereiten ihr Tränen und Wut. Und bei mir – das gebe ich ehrlich zu – Hitze und Frust.

Finger- und Fußnägel schneide ich der Tochter zurzeit nachts, wenn sie schläft. Es muss verdammt schnell gehen, denn schließlich mache ich ja im Kinderzimmer Licht an, um die kleinen Nägel sehen zu können. Manches mal habe ich Pech und nach den zwei Füßen und einer Hand ist Maja so wach, dass sie sich wehrt. Und sie hat eine derart unbändige Kraft, dass man es sich kaum vorstellen kann. Ich muss mich dann meist geschlagen geben und die Nägel der verbleibenden Hand in der darauffolgenden Nacht nachschneiden.

In Maja´s Schule habe ich bereits mehrfach Eltern angesprochen und gefragt, ob es ähnliche Probleme bei deren Kindern gibt. Das Haare schneiden ist bei den Jungs kein Problem. Der Kopf wird – ZACK – mit dem Elekrorasierer geschoren. Fertig! Die Mädchen haben meist endlos lange Haare ohne ersichtlichen Schick oder Schnitt. So ist es bei Maja auch. Wenn ich merkte, dass Maja einen guten Tag hat, bin ich todesmutig mit ihr in einen Friseursalon spaziert. Aber entweder ist es bereits an der Wartezeit gescheitert, weil Maja schon beim Geräusch der Föns oder beim Anblick der Scheren „austickte“, oder aber sie wirbelte spätestens beim Umlegen des Umhangs wild mit den Händen um sich und rutschte immer wieder vom Stuhl.

Ich habe eine gute Freundin, die gelernte Friseurin, sogar Meisterin, ist. Sie nimmt die Herausforderung an und schneidet Maja, während jemand das Kind ablenkt, flink die Haare. Beim letzten gemeinsamen Urlaub mit Freunden haben sich die Leute die verrücktesten Sachen einfallen lassen, um Maja abzulenken. Running gags deluxe. Solche Freunde sind unbezahlbar.

Heute morgen vor der Schule war der erste Haarschneide-Tag in diesem Jahr. Und es hat einigermaßen gut geklappt. Die Freundin hat scherenflink gearbeitet und das Töchterchen liess sich zum Schluss sogar noch die eine Haarseite flechten.

Ein guter Tag! ♥

Maja_Haare

 

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