Schattenkind

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Bei jedem Termin mit der Neurologin meiner schwerbehinderten Tochter Maja wird nach der „kleinen“ Schwester Jenna gefragt. Von Anfang an hat mich das stutzig gemacht. Ich habe Freundlichkeit der Ärzte hinter dieser Frage vermutet. Bis ich eines Tages mutig genug war nachzufragen.

Antwort wurde mir sofort gegeben. Gleichfalls ein Flyer in die Hand gedrückt. „Schattenkinder“. Geschwister im Schatten des behindertes Kindes. Ein mulmiges Gefühl stieg in mir hoch. Ich sah die Neurologin fragend an. Und sie fing an zu erzählen von teilweise gestörten Kindern, die mit der Behinderung des jeweiligen Geschwisterkindes nicht klar kommen. Gehänselt, benachteiligt, weniger geliebt werden. Ich legte den Flyer zuhause gut beseite. Für den Fall der Fälle, dass….

Jenna

Jenna

… aber bisher habe ich hier ein kleines 6-jähriges Mädchen, welches ihre „große“ schwerbehinderte Schwester liebt, unterstützt und beschützt. Kichernd erzählt Jenna oft, dass sie ja eigentlich die grosse Schwester ist. Obwohl sie 3 Jahre jünger ist.

Vor kurzem noch kam aus ihrem nie still stehendem Plappermaul der schöne Liebesbeweis: „Weisst Du, Mama, die Maja kann nicht gut reden, dafür aber viel Lachen. Das ist viel besser als umgekehrt, ne?!“ In solchen Momenten weint mein Mutterherz. Vor Stolz, vor Liebe und vor allem weil ich merke, dass alles richtig läuft. Trotz der vielen Probleme die wir im Alltag haben, lässt Maja die Sonne für uns scheinen. Besonders auf ihre Schwester Jenna. Sorry, Schatten, du hast (bisher) keine Chance.

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  1. Das ist großartig und toll! Es ist schön zu lesen/hören, dass es Familien wie euch gibt und dass das Thema Geschwisterkinder mittlerweile ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekommt.

    Bei mir war’s leider noch nicht so. Es kann wirklich hart sein immer das Kind zu sein, das eben nebenher läuft. Die Konflikte später wurden dafür dann um so heftiger. Und auch heute mit 23 merke ich noch die Nachwehen.

    Ich wünsche euch sehr, dass ihr weiterhin soviel Sonne im Leben habt!

    🙂

  2. “Weisst Du, Mama, die Maja kann nicht gut reden, dafür aber viel Lachen. Das ist viel besser als umgekehrt, ne?!”

    Das ist wirklich ein wunderbarer und unglaublich wahrer Satz. Wir sollten alle mehr Lachen und uns an den Kleinigkeiten erfreuen. Schade, dass die meisten das aber aus den Augen verlieren.

  3. Pingback: 7 Jahre Klein(igkeiten, die zu Grössigkeiten heranwachsen) | Stark für das Leben

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