Archiv für den Monat April 2013

Tag der offenen Tür (in eine bessere Welt)…

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Eine ganze Woche lief alles anders an der Schule meiner Tochter Maja.
Der Grund dafür ein guter: 40-jähriges Schuljubiläum.
40 Jahre Förderschule in unserer Stadt… und somit das Recht für geistig schwerbehinderte Kids auf einen täglichen Schulbesuch.
Ein tägliches Beisammensein. Dem Alltag Struktur zu geben. Regeln (kennen)zu lernen. Freunde zu finden.
EIN GRUND ZUM FEIERN!

Maja kann sich nicht gut artikulieren. Wörter wie Puppentheater, Singen, Klatschen, Mikrofon konnte ich ihr die Woche über entlocken.
Meine Neugier auf den heutigen Samstag wurde immer größer. Ein Flyer der Schule versprach Zauberer, Hüpfburg, Torwandschießen,
2 Vorstellungen der Kids, Waffeln, Würstchen, Kaffee, selbstgebasteltes der Kids und und und…

Wir waren heute also zeitig an der Schule. Wie immer wenn ich den Schulhof betrete kam mir dieses warme Gefühl im Bauch hoch. Es ist unerklärlich. Als würde ich jedes Mal eine andere Welt, eine bessere Welt, betreten. Maja begrüßte ihre Schulfreunde, ich hingegen nahm mir Zeit für einen schnellen Kaffee. Beim ersten Schluck hörte ich hinter mir ein lautes „Prost“! Ich drehte mich um und sah einen vielleicht 16-jährigen Teenager. Unförmig, mit schiefer Brille, kleinem ersten Haarwuchs am Kinn und abgetragenen, altmodischen Kleidern, und einem Sturzhelm auf dem Kopf. Ich kannte ihn vom Sehen. Vom Typ her würde ich fast sagen, dass viele Menschen sich umdrehen würden, er wirkt eher abstossend als anziehend. Aber er bemerkte meine Aufmerksamkeit und lachte. Ein Lachen, es war war so herzlich, so erfrischend, so mutig, es hat mich einfach angesteckt. Ich lachte mit ihm. Mit einem Mal verstummte er. Er sah mir in die Augen und sagte: “Danke, dass Du mit mir gelacht hast!“

In diesem Augenblick kam Maja angetrabt. Sie mußte zu ihrerm Auftritt ins Forum der Schule. Trotzdem hat mich diese Begegnung mit dem Sturzhelm-Jungen bewegt. Ein junger Mensch bedankt sich für mein Lachen. Dieser Spruch „Lachen verbindet“. So true!

Es ging weiter zum Forum. Ich mußte Maja den Lehrern und Betreuern überlassen und nahm meinen Platz vor der Bühne ein. Gespannt darauf, was uns gleich erwartet. Die Klassenlehrerin erzählte was von Schattentheater. Aber das was geboten wurde… war so einfach! Und doch so schön. Liebenswert schön.

Am Ende sang der Schulchor. Maja mittendrin, sogar ein kurz ein Mikrofon in der Hand. Voller Stolz, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Lachen und trotzdem weinen. Eines der wunderschönsten Gefühle auf der Welt: der Stolz auf das eigene Kind.

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Menschlichkeit lernen

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Meine geistig-behinderte Tochter könnte mit ihren 9 Jahren Dozentin werden.
Sie könnte wirklich Kurse geben.
Ach was, sie hat einen Doktortitel verdient. Und zwar in Menschlichkeit.
Fröllein Dr. Maja Menschlichkeit
Kurs: Lerne Mensch zu sein.
Sie kann sich zwar kaum artikulieren. Aber alleine ihr zu begegnen oder sie zu beobachten, könnte viele Menschen bereichern.
Zum Nachdenken bringen. Über sich selbst.

Nehmen wir das „Kennenlernen“.
Maja geht auf ALLE Menschen zu. Egal ob dick, dünn, farbig, klein, gross, alt, jung, mit Rollstuhl, mit Sturzhelm, im Jogger oder feinen Anzug.
Sie unterscheidet nicht.
Wenn fremde Menschen Maja sehen gibt es wirklich manchmal diese fiesen Blicke. Abstand halten, die Behinderung könnte ja ansteckend sein. Habe ich alles erlebt. Für mich ist es immer wieder ein starkes „Bääääm, Faust ins Gesicht“.
Maja wiederum geht da anders mit um. Sie legt ihren Kopf auf die Seite, das Ohr berührt fast an ihre Schulter.
Lächelnd. Erst ganz leicht. Und wenn das Gegenüber nicht reagiert, erstaunt schaut oder den Kopf schüttelt… lächelt sie umso mehr.
Im schlimmsten (schönsten) Fall ruft sie sogar „Hallo, Du da! Lachen!“
Das ist auch ein „Bääääm! In your face!“ Aber auf Maja´s eigene spezielle Art.
Menschlichkeit deluxe. Herzmensch. ♥

Kursanmeldungen nehme ich gerne entgegen.
Oder aber Namen von Personen, die eine Begegnung mit Maja dringend nötig haben.

crazy love

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Es Gab 4 Freunde die Sich über Alles Mögen. Aber Das
Emogirl und der Emoboy Können Nicht Sagen, dass sie sich
Lieben. Denn das Emomädchen ist mit dem normalen Jungen
Zusammen und der Emojunge ist mit dem normalen Mädchen
Zusammen.

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Der Emoboy und das Emogirl können nicht zusammen
kommen weil die Eltern gegenseitig Stress haben und die
Eltern es nicht möchten, dass die beiden Emos zusammen
kommen denn die Eltern können sich nicht leiden.

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Kommen Wir Zum Punkt: Wenn ein Mädchen und ein Junge
sich lieben, darf man sie nicht trennen denn sie lieben sich.
Kommen Wir Zu dem anderen Paar, zu den Normalen. Die
lieben sich auch aber sie können es nicht sagen. Es wird
kompliziert langsam. Aber egal.
Es geht weiter. 1 Tag später treffen sich die Emos im Park
und die normalen treffen sich auch. Aber nicht vorm
Crazylove Park wie die emos sondern am Kino. Bei den 2
Paaren geht es ab. Sie Küssen und umarmen sich. Die Emos
Am Park und die Normalen Am Kino.

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Da geht ein Modelist im Park an den Emos vorbei und sagt:
„Ihr seid ein süßes Paar. Könnte ich ein Foto von euch
machen und der ganzen Welt vorzeigen?“ Da sagen die Emos
ohne zu überlegen: „Ja gerne!“

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Nach einer Woche fliegt alles auf. Am Primark hängt ein riesiges
Werbeplakat mit dem Foto vom heimlichen Paar. Die Eltern sind erst
geschockt und dann sauer. Am Einkaufen im Primark werden die
Eltern von vielen Leuten angesprochen. Alle gratulieren zu dem tollen
Liebespaar.

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Jetzt können sie sich der Liebe nicht mehr in den Weg stellen!
Happy End

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(Zeichnung: Zeynep; Text: Jennifer, Zeynep)
Schüler/innen an der Schule meiner Tochter Maja
(Schule für geistig behinderte Menschen)

Maja, allerliebste Maja Maja (Maja), Maja (Maja) Maja erzähle uns von dir… ♥

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H A P P Y B I R T H D A Y, allerliebste Maja!

Mein grosses Mädchen. 9 Kerzen darfst Du heute auspusten.

Gestern haben wir Geburtstagskuchen gebacken und Du hast dabei lautstark alle Geburtstagslieder der Welt gesungen. Stolz bist Du, voller Freude. „Maja is Geburskind, ne Mama, ne?!?“

Wenn ich neun Jahre zurückdenke: kein Arzt konnte sagen, ob Du überlebst. Und falls Du überlebst, wie Du sein wirst. Hilflos musste ich Dir das Tempo überlassen. Du hast langsam entschieden, Du möchtest überleben. Und Du möchtest Dich entwickeln. In Deinem speziellen eigenen Entwicklungstempo.

Jeder Fortschritt den Du machst kommt genau zur richtigen Zeit. Alles was Du kannst ist wunderbar! Und da für Dich keine Bedienungsanleitung mitgeliefert wurde, bleibt mir nur übrig alles mit Dir auszuprobieren. Und Du zeigst mir einfach was Du magst oder nicht. Und zwar ganz deutlich 😉

Du hast im letzten Jahr einen großen Entwicklungsschub gemacht. Vor allem sprachlich. Okay… am Feintuning müssen wir noch arbeiten. „Jacke“ ist nicht „Kacke“. Und „Schippe“ und „Schitte“ sind auch 2 unterschiedliche Dinge. Und beim Singen verschluckst du heimlich Wörter oder ziehst sie einige Sekunden in die Länge. Aber nichts desto trotz bist Du stolzes Chorkind in der Schule, stehst sogar vorne weil Du inbrünstig laut und herzlich singst.

Und dickköpfig bist Du geworden. Das Wort NEIN wird immer öfters benutzt. Zimmer aufräumen, Maja! NEIN NEIN NEIN kommt promt als Antwort. Dein Dickkopf bringt mich manchmal ganz schön zur Verzweiflung. Aber wir haben uns auch immer wieder schnell versöhnt und liegen uns dann in den Armen. Ich hab Dich lieb und auch Deinen manchmal unbändigbaren Dickkopf. Und ich weiß, Du hast mich auch lieb, trotz meiner Ungeduld manchmal. Ich bemühe mich jeden Tag Dir eine gute Mutter zu sein und ich hoffe, es gelingt mir einigermaßen.

Ich wurde vor einiger Zeit als „Drachenmutter“ betitelt. Begründet wurde es mit heftiger Liebe zu meinem besonderen Kind. Ich mag dieses Wort: Drachenmutter. Definiere es aber anders… Maja spukt Feuer, welches mir aber keinerlei Schaden zufügt, sondern mich liebevoll wärmt.

Genauso wärmen wird mich heute abend die Kerze, die ich für deinen Zwillingsbruder Mika zünden werde. Denn auch er hat Geburtstag. Den neunten Himmelgeburtstag. Einen Augenblick innehalten, erinnern an die kleinen Tritte in meinem Bauch, an seine kurze Wärme, seinen Duft. Auch wenn es immer noch verdammt weh tut. Manchmal hilft es wenn ich mich zurückziehe. Die Traurigkeit rausschweigen und ausweinen. Danach dann tief Luft holen, aufstehen und Dich anschauen. Denn ihr seid zu zweit. Ihr seid Zwillinge. Du, Maja, bist mir geblieben. Und ich weiss, Mika passt auf Dich auf. Lächelnd sitzt er, der kleine Prinz, auf seinem Stern.

Ich habe ein Ziel und es ist einfach: mich möglichst wenig über deine Defizite und Krankheiten aufregen. Nicht über die Ungerechtigkeit nachdenken. Denn es wird nichts ändern. Was ich tun kann ist dir zu helfen, mit möglichst wenig Beschwerden zu leben und mit möglichst viel Würde durchs Leben zu gehen. Und das einfachste überhaupt: dich zu lieben. Denn Du umsorgst, du singst, du lachst, du tanzt, du trotzt, du motzt und du liebst wie nur ein Mensch wie du es machen kannst. Deine Momente sind unendlich und königlich. Dein Lachen ist süchtig machend. Deine Umarmung ist unbezahlbar und berührt jeden ganz tief!

Maja, ich habe Dich gestern Abend besonders lange angeschaut. Und sah mein Spiegelbild in deinen blauen grossen Augen. Ich bin ein Spiegelbild von dir, nicht umgekehrt, und ich glaube, so soll es einfach sein.Geburskind